Die neue Sprint Europameisterin heißt Bianca Metz!

Beinahe könnte man schreiben, sie kam, sah und siegte. Mit dem gestrigen Start im Sprint auf der Patric Sercu Rennbahn in Brügge startete sie ihre internationale Radsportkarriere und legte gleich bei der Qualifikation die beste Zeit auf, direkt gefolgt von Teamkollegin Isabelle-Sophie Boberg. Die sollte dann auch ihre härteste Konkurrentin werden, der Sprint der Damen entschied sich äußerst knapp in einem spektakulären deutsch-deutschen Finale. Insgesamt setzte sich Metz insbesondere dank ihrer kämpferischen und angriffslustigen Einstellung durch. Sie gab in ihren Rennen vorwiegend ein hohes Tempo vor und konnte jeweils im Endspurt bis zum Finale alle ihre Gegnerinnen durch eine enorme Kraftanstrengung und einen klaren Vorsprung aus dem Rennen werfen. Das machte ihr den Punkt gegen Boberg im ersten Durchlauf sauer, sie unterlag und hatte Schwierigkeiten mit dem Kreislauf. Das hinderte Metz jedoch nicht, nach einer kurzen Verschnaufpause wieder aufs Rad zu steigen und die Herausforderung gegen die gleichwertige Gegnerin aus dem eigenen Team anzunehmen.

Siegerehrung der hörgeschädigten Frauen bei der Diziplin Sprint!
Siegerehrung - Sprint

Das zweite Rennen wurde erneut von Bobergs taktischer Fahrweise bestimmt, allein im Endspurt konnte sich Metz einen minimalen Vorsprung erkämpfen, es ging in die dritte Runde. Die geriet extrem spannend, kurz vor der zweiten Kurve in der 3. Runde brach Boberg aus, es gab eine rasante Kopf-an-Kopf Jagd durch die letzten beiden Kurven, es war zeitweilig kaum zu erkennen, wer die Nase vorn hatte. Mit letzter Kraft zog Metz auf der Zielgerade noch einmal an und rauschte hauchdünn vor Boberg über die Ziellinie. Erschüttert vom eigenen Erfolg flossen bei ihr die Tränen. Isabelle Boberg brauchte eine Weile, um über die Enttäuschung hinwegzukommen, den Titel so knapp verpasst zu haben, denn auch sie hatte ihre taktisch klugen Rennen sicher gefahren, auch sie hatte den Titel schon in greifbarerer Nähe. Mit den beiden Sprinterinnen hat der DGS Radsport zwei heiße Eisen für die kommenden Deaflympics 2017 im Feuer. Platz 3 umkämpften ebenfalls zwei Teamkolleginnen, Alisa Bondereva und Daria Remzova, Bondereva siegte im dritten Durchlauf und holte Bronze für Russland.

Gleichzeitig mit den beiden deutschen Fahrerinnen kämpfte Jan Witkowski um den Einzug ins Finale. Er hatte sich als Bester für die Ausscheidungsrennen qualifiziert, alle deutschen Männer hatten gute Zeiten gefahren und waren dabei. Peter Hiltl hatte als ersten Gegner den amtierenden Europameister Ivan Makarov, den Exfahrer Holger Kleefuß bei den Deaflympics 2013 aus dem Rennen werfen konnte. Für Hiltl war er eine Nummer zu groß und er schied aus. Neuling Carsten Poerschke und Altmeister Gerald Mielke-Weyel, der sich noch einmal bei den Jungen ausprobieren wollte, wurden in ihrer zweiten Runde aus dem Rennen geworfen, Mielke-Weyel von Teamkollege Witkowski, der sich mit den folgenden Gegnern harte Wettkämpfe lieferte und hochverdient den Einzug ins Halbfinale schaffte, ein enormer Etappensieg in seiner internationalen Karriere und ein deutliches Zeichen für eine imponierende Leistungssteigerung im Vergleich zur EM 2012 im russischen Togliatti oder den Deaflympics in Sofia. Konkurrent im Halbfinale war Dmitriy Rozanov – den russischen Favorit Ivan Makarov hatte der Franzose Steeve Touboul um die Chance auf eine erfolgreiche Titelverteidigung gebracht – als einziger von fünf Startern aus Russland in den beiden letzten Finalrunden. Witkowski entschied den ersten Durchgang extrem knapp für sich. Im zweiten Rennen gelang Rozanov ein Überraschungsangriff in der letzten Kurve der zweiten Runde, Witkowski konnte sich zwar wieder ganz an ihn herankämpfen, aber am Ende entschieden kaum zwei Reifenbreiten, diesmal zugunsten des Russen. Auch im dritten Durchlauf waren es Nuancen und wenige Zentimeter, die Witkowski um den ersehnten Einzug ins Finale brachten. Blieb der Wettstreit um Bronze gegen den Slowaken Adrian Babic, ein schlagbarer aber ebenbürtiger Mitbewerber. Wieder waren drei Durchgänge notwendig, um den Sieger zu bestimmen und wieder war es nur ein hauchdünner Vorsprung des Slowaken, Witkowski musste sich mit dem vierten Platz zufrieden geben – im Ergebnis vielleicht erst einmal eine Enttäuschung, im Gesamtverlauf des Rennens ein großer persönlicher Erfolg für den Deutschen, auch er wird im kommenden Jahr beim Sprint eine entscheidende Rolle spielen können. Altmeister Mielke-Weyel belegte in der Gesamtwertung Platz 11, Teamkollege Poerschke lag direkt dahinter.

Jan Witkowski beim Sprint gegen Evgenii Prokhorov (RUS) um das Finale.
Jan Witkowski beim Sprint gegen Evgenii Prokhorov (RUS)

Das Team war begeistert, ein solcher Erfolg am ersten Tag war ein ausgezeichneter Auftakt für die Deutschen. Trainer Frank Sperber, ebenfalls Debütant auf internationalem Radsportparkett, war mehr als zufrieden mit zwei Medaillen und einem Top-Five Platzierten bei seinem ersten Einsatztag der EM in Brügge. Heute Nachmittag wartet auf die Deutschen das Punkterennen, das ebenfalls auf der Patric Sercu Bahn ausgetragen wird.

Sieger des Sprints der Männer wurde Steeve Touboul aus Frankreich, er schlug Rozanov in einem beeindruckenden Rennen um Haaresbreite.

Text: Anne Köster
Fotos: ECDS2016 & DGS Archiv
Datum: 16. August 2016

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