20. Deutsche Radsportmeisterschaften im Ruhrgebiet

Datum: 30.05.2016 | Ergebnisse - Straßenrennen | Ergebnisse - EZF | Bilder auf Facebook

 


Vom 26.05. - 28.05.2016 fand das 24. deutsche Gehörlosen-Sportfest in der Ruhrmetropole Essen mit über 1400 Teilnehmern statt. Die Veranstaltung, deren Schirmherrschaft in diesem Jahr unter anderem NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft übernahm, wird seit 1920 alle 4 Jahre an wechselnden Orten durchgeführt. Im Rahmen des Sportfests sah das Programm ein breit gefächertes Wettkampfprogramm in 20 Sportarten vor, die in ganz Deutschland von Hörgeschädigten betrieben werden und dem Dachverband Deutscher Gehörlosen-Sportverband (DGS) angehören. Hier wurden jeweils in verschiedenen Sportstätten in und um Essen die deutschen Meister ermittelt und gekürt.

 

Der Radsport zählt momentan zu den erfolgreichsten Sparten des DGS, Tendenz steigend. So verwundert es kaum, dass der Andrang zu den diesjährigen 20. Radsportmeisterschaften mit insgesamt 33 gemeldeten hörgeschädigten Teilnehmern verhältnismäßig groß war.

Auch die Nationalmannschaft war vollzählig mit am Start und absolvierte in Essen den letzten Formtest für die im August anstehenden Radsport- Europameisterschaften der Gehörlosen in Brügge/Belgien.

Einzelzeitfahren:

Bereits am Donnerstagnachmittag vor der offiziellen Eröffnung des Sportfests trafen die wettkampflustigen Radsportler in Bochum an der Rennstrecke für das Einzelzeitfahren ein. Der Kurs mit 1,8 Kilometern Streckenlänge beinhaltete neben drei Wendekurven auch einen kleinen, aber giftigen Anstieg. Somit waren die Teilnehmer hier auch technisch gefordert, was für Hochspannung sorgte. Die Fahrer der Männer-Elite fuhren das Rennen über zwölf Runden und 21,6 Kilometer; alle anderen Klassen hatten neun Runden und 16,2 Kilometer zu fahren.

Um 13 Uhr ging mit Lokalmatador Uwe Meerkamp vom GTSV Essen, welcher später den 3. Platz belegte, der erste Starter der Hobbyklasse ins Rennen. Nun erfolgten jeweils im Abstand von zwei Minuten die nächsten Starts. Es siegte bei den Hobbyfahrern mit einer Zeit von 27:18 Minuten Martin Koppe (GSV Bielefeld) vor Christoph Schmidt (GSV Düsseldorf).

Als kurz darauf die beiden Nationalfahrerinnen Isabelle-Sophie Boberg (GSV Landshut) und Bianca Metz (GSC Bodensee) in den Wettkampf geschickt wurden, verfolgte man mit großem Interesse den Verlauf des Zweikampfes unter den beiden Favoritinnen auf den Titel. Schließlich machte Bianca Metz das Rennen und schlüpfte mit über einer Minute Vorsprung (36,4 km/h Durchschnitt) ins Meistertrikot. Antje Kaiser (GSV Zwickau) fuhr ebenfalls eine gute Zeit und eroberte die Bronzemedaille.

Ab 13.30 Uhr rollten die Räder auch bei den neun teilnehmenden Seniorenfahrern. Die Seniorenfahrer fuhren ein starkes Rennen, und so lagen die Ergebniszeiten am Ende zum Teil denkbar nah beisammen. Titelverteidiger Harald Becht (GSV Landshut) hatte mit der komplizierten Strecke zu kämpfen, dennoch kam nur der langjährige Gehörlosen-Radsportler Carl-Heinz Sänger (Berliner GSV) an ihm vorbei, welcher mit einer Zeit von 27:49 Minuten den Meistertitel ergatterte. Mit nur wenigen Sekunden Abstand zu Vizemeister Harald Becht holte Gerrit Besselink (GSV Münster) die Bronzemedaille.

Zum Schluss fiel um 15 Uhr auch der Startschuss für die 15 teilnehmenden Sportler der Klasse Männer Elite. Als Favoriten gingen die beiden Nationalfahrer Peter Hiltl (GSV München) und der Titelverteidiger von 2015 - Jan Witkowski (GSV Chemnitz) ins Rennen. Bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 38,3 km/h konnte sich Peter Hiltl mit komfortablem Vorsprung mit 33:51 Minuten auf 21,6 Kilometer gegen die Konkurrenz durchsetzen und sich zum Zeitfahrmeister 2016 küren lassen. Für Furore bei den Männern sorgte außerdem der Triathlet Carsten Poerschke (Berliner GSV), der bei seiner Premiere auf Anhieb Zeitfahr-Vizemeister wurde. Fast eine Minute hinter ihm kam Thomas Suslik (GSV Schwerte) ins Ziel, welcher sonst auch eher bei Triathlonwettbewerben anzutreffen ist.

Straßenrennen:

Am Samstagvormittag kamen die Gehörlosen-Radsportler schließlich zum zweiten Meisterschaftsrennen in die "Dortmunder Niere" mit fast 800 Meter langen Rundkurs zusammen. Der Kurs ist für ein typisches Straßenrennen extrem kurz, somit mussten die Elite Männern bei 60 Kilometer auf 75 Runden und bei den anderen Klassen für 40 Kilometer auf 50 Runden fahren. Die flache Strecke führte dazu, dass die Rennen der einzelnen Klassen sehr schnell waren und ein Wegfahren aus dem Fahrerfeld heraus nur durch ständige Attacken, möglich war. Auch konnte man für das Straßenrennen gespannt sein auf die Verschiebungen in den Ergebnislisten im Vergleich zum Zeitfahren am Donnerstag. Da bei den beiden Meisterschaftsrennen in diesem Jahr verhältnismäßig viele Triathleten am Start waren, welche beim Zeitfahren durch das spezielle Training eher im Vorteil sind, aber beim für sie eher ungewohnten Straßenrennen ihre Leistung unter Umständen neu bewerten müssen.

Bereits um 10 Uhr wurde das Meisterschaftsrennen der Damen und Hobbyfahrer, in Anwesenheit vom DGS Präsidium und Mitarbeiterin der Fachspartenverwaltung Radsport Anne Köster, eröffnet. Erstmals seit drei Jahren traten alle aktuellen Nationalfahrerinnen - die später angereiste Luise Jungnickel (Berliner GSV), Bianca Metz und Isabelle-Sophie Boberg - in einem Wettkampf gegeneinander an. Die drei nahezu gleichstarken Frauen fuhren bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 34,6 km/h jeweils immer wieder Attacken, wechselten sich in der Führung der Gruppe ab und jede war heiß auf den Meistertitel. Doch keiner der dreien gelang es, sich von den anderen abzusetzen, was zu einer Entscheidung im abschließenden Finalsprint führte. Zunächst hatte Titelverteidigerin Bianca Metz die Nase vorn, sie wurde jedoch auf den letzten Metern von Isabelle Boberg überholt. Luise Jungnickel landete mit wenigen Zentimetern zum 2. auf Platz 3. Mit etwas Abstand folgten Claudia Platzeck (GSV Bayreuth) und Antje Kaiser auf den Plätzen vier und fünf. (Video: Finalsprint der Elite-Damen)

Die Hobbyfahrer um Patrick Sommer (GSV Zwickau) und Christoph Schmidt (GSV Düsseldorf) kamen nach 1:14 Std. ins Ziel.

Um 12:30 Uhr wurde das Rennen mit alle neun gemeldeten Teilnehmer der Senioren gestartet. Carl-Heinz Sänger ging nun als Favorit ins Rennen. Kurz vor Schluss konnte er sich vom gesamten Fahrerfeld absetzen, es nahezu überrunden und mit einer Zeit von 1:02 Std. nach einer Soloflucht seinen zweiten DM-Titel in diesem Jahr holen. Gerrit Besselink und Harald Becht tauschten im Vergleich zum Donnerstag die Plätze - Besselink wurde Vizemeister, Becht sicherte sich Bronze. (Video: Zieleinlauf der Senioren)

Die Männer-Elite, welches um 15 Uhr gestartet wurde, polarisierte wie selten zuvor: Von Anfang an wurden Attacken gefahren und taktische Spielchen getrieben, dass der Wettkampf auch zu einer hoch technischen Angelegenheit für die Teilnehmer wurde. Alsbald bildeten sich mehrere kleine Fahrerfelder. Die Spitzengruppe erhöhte im weiteren Verlauf ihr Tempo nochmals drastisch, sodass immer wieder weitere Fahrer aussteigen mussten und mit Peter Hiltl (GSV München), Carsten Poerschke, Axel Knuth (beide Berliner GSV) und den beiden Leipzigern Jan Witkowski und Steffen Kern (beide GSV Chemnitz) nur noch fünf Radsportler ganz vorne vertreten waren.

In der letzten Runde fuhr Peter Hiltl seinen letzten, aggressiven Angriff und brachte in etwa drei Sekunden Abstand zwischen sich und die Spitzengruppe. Er zog den Finalsprint an, die Konkurrenten lauerten im Hintergrund und versuchten, wieder an Hiltl heranzufahren. Peter Hiltl gewann nach 1:35 Std. souverän in sein zweites Meistertrikot in diesem Jahr. Es folgten, mit jeweils kaum messbarem und absolut hauchdünnem Abstand, die beiden Fahrer Axel Knuth und Steffen Kern. Carsten Poerschke, welcher zunächst Chancen auf einen Podestplatz hatte, dann aber im Sprint auf Platz vier abgedrängt wurde, setzte sich gegen Jan Witkowski durch. Die weiteren zehn Fahrer, welche im Laufe des Rennens alle durch die im Durchschnitt fast 38 km/h schnelle Spitzengruppe überrundet worden waren, machten die weiteren Platzierungen untereinander aus. (Video: Finalsprint der Elite-Männer)

Unglücklicherweise stürzte ein Fahrer und zog sich mittelschwere Verletzungen zu. Weitere Unfälle konnten jedoch durch schnelles Eingreifen der Rettungskräfte und durch gute Kommunikation zwischen dem Publikum und den übrigen Rennfahrern verhindert werden. Ein Fahrer musste wegen einer Panne aufgeben, ansonsten verlief auch das Straßenrennen ohne weitere Komplikationen. Das Sportfest ist hervorragend abgelaufen und die beiden Radsport-Meisterschaftsrennen waren überraschend gut besucht. Die Nationalmannschaft blickt nach diesem letzten Formtest zuversichtlich auf die bald anstehenden Europameisterschaften in Belgien.

Am Ende bedankte sich Sparten-Fachwart Gerald Mielke-Weyel im Namen aller Teilnehmer bei den ehrenamtlichen Helfern aus Essen, die unter anderem die Reihenfolge der Fahrer auf jeder Runde dokumentierten und zahlreiche tolle Fotos schossen. Alle Beteiligten wünschen dem gestürzten Fahrer eine gute Genesung und haben im Anschluss an den Straßenwettkampf noch eine kleine Videobotschaft an ihn gesendet. (Video: Die Botschaft)

Herzlichen Dank an alle Teilnehmer/innen und einen besonderen Dank an die Helfer und Organisatoren um Holger Kleefuß und Gerald Mielke-Weyel!

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